DHZ 4. 2024 Artikel Zwischen Nähe und Grenze

Begünstigende und vorbeugende Faktoren ÜBERGRIFFIGER SITUATIONEN in der (manuellen) Therapie

In diesem Artikel geht es um die typischen Patientys in der osteopathischen/naturheilkundlichen Praxen. Es sind meist Menschen mit langem Leidensweg und viel Hoffnung, was eine mögliche Abhängigkeit von Pateintys begünstigen kann.

Eine gute Aufklärung ist Grundlage jeder Arbeit:

§ 630c BGB Abs. 2 stellt fest: „Der Behandelnde ist verpflichtet, dem Patienten in verständlicher Weise (...) sämtliche für die Behandlung wesentlichen Umstände zu erläutern (…).“ Das bedeutet, wir sind verpflichtet, über unser Handeln aufzuklären. Wir müssen alles, was wir tun, vorher (!) unseren Patientinnen erläutern, damit sie verstehen, was auf sie zukommt, und nach § 630e BGB in die Behandlung einwilligen können. In der Medizinethik ist die Grundhaltung der verpflichtenden Aufklärung unumstritten. Jedoch wird immer wieder darüber diskutiert, wie weit diese gehen sollte. So steigt das Risiko negativer Auswirkungen einer Behandlung mit dem Umfang der Informationen über diese möglichen Folgen (Noceboeffekt). Es hat sich unter dem Begriff informed consent (informierte Zustimmung) eine Haltung etabliert, die eine Grundaufklärung für notwendig hält. Dazu zählen 1. alle Fakten und Informationen, die Patientinnen vermutlich als relevant ansehen, und 2. alle Informationen, die aus medizinischer Sicht für eine Entscheidung nötig sind. 3. Die Aufklärung sollte dazu führen, dass beide Seiten sich sicher sind, dass es sich um eine informierte Entscheidung handelt.

Mir ist wichtig in meiner Praxis einen Ort der humorvollen Gelassenheit zu schaffen.

Humor beschreibt eine heitere Gelassenheit. Diese lässt uns entspannt sein und ermöglicht bei der Lösung von Problemen mehr Optionen als „fight or flight“ im Stressmodus. Wenn wir es schaffen, dass unsere Patientinnen mit uns lachen, führt das nicht nur zu einem sehr angenehmen Arbeitsklima, sondern auch einem Gefühl der Verbundenheit und des Vertrauens. In diesem ist es möglich, über sich selbst und die eigenen Unzulänglichkeiten zu lachen. Manchmal braucht es dafür ein Vorbild: Zeige deinen Patientinnen, wie es geht, und lebe es vor. Mit einer heiteren Gelassenheit kann sich die Last chronischer Schmerzen leichter anfühlen, und es kostet nicht so viel Überwindung, Nein zu sagen.

Merke: Egal wie aufgeklärt du bist, egal wie sensibel, umsichtig und behutsam du bist, es ist nicht möglich, sicher zu sein, keine Grenzen zu verletzen.

Es kann wichtig sein zu wissen, wohin Patient*innen vermittelt werden können, wenn sie Beratung oder Unterstützung wünschen. Hier eine kleine Auswahl unterschiedlicher Optionen:

  • Bikers Against Child Abuse (B.A.C.A.) ist eine internationale Motorradgruppe, die ein sicheres Umfeld für missbrauchte Kinder schaffen will. Das Motto lautet: Kein Kind verdient, in Angst zu leben. Helpline: (24/7) +49 (0) 173/3657818, https://germany.bacaworld.org.
  • Der Weiße Ring will Opfern von Gewalt- beziehungsweise Straftaten helfen. Er setzt sich politisch für ihre Belange ein und vermittelt Hilfen. Opfer-Telefon: 116 006, https://weisser-ring.de.
  • Der Kinderschutzbund setzt sich für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein, vermittelt Beratung oder berät vor Ort selbst: https://kinderschutzbund.de.
  • N.I.N.A. steht für Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen und wird gefördert von der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800/2255530, https://nina-info.de.

Praxis_Übergriffe_Peters_Online-PDF.pdf

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2299-6231